Claudia Voigt-Grabenstein im Gespräch mit Hans Batz

Einfache Worte finden: Pfarrerin Claudia Voigt-Grabenstein im Gespräch mit Hans Batz.

Bild: Jens Wegener

St. Lorenz Nürnberg

Knackige Kurzandachten

Normalerweise steht Hans Batz für die ARD oder das ZDF hinter der Kamera. Seit Beginn der Pandemie dreht der preisgekrönte Dokumentarfilmer die Online-Andachten für die evangelische Kirchengemeinde St. Lorenz in Nürnberg - ein außergewöhnliches Format.

Mitten in der Andacht laufen zwei Männer durchs Bild. Sie tragen eine Orgelpfeife. Zwei Meter ist sie lang – und eignet sich damit hervorragend dazu, die Kirchenbänke zu vermessen. Das tun die Männer dann auch. Abstand in der Pandemie muss sein. Spaß ebenso. Vor allem bei einer Online-Kurzandacht der evangelischen Kirchengemeinde St. Lorenz in Nürnberg.

Qualität hat ihren Preis

Was locker-leicht aussieht, ist das Ergebnis professioneller Arbeit: Mit Kameramann Hans Batz und Tonmeister Corin Schatz leistet sich die Gemeinde zwei Meister ihres Fachs. Bei dem preisgekrönten Dokumentarfilm „A Man Can Make a Difference“ zum Beispiel stand Hans Batz hinter der Kamera. „Man kriegt Qualität nicht kostenlos“, sagt Claudia Voigt-Grabenstein. Die vielen positiven Rückmeldungen der Gläubigen geben dem Weg der Lorenzkirche recht, findet die Pfarrerin. Inzwischen habe sich eine richtige kleine Online-Gemeinde gebildet.

Das Format der Online-Andachten ist kurz und knackig: Maximal 15 Minuten lang sind die Videos, die jeden Samstag online gehen (www.lorenzkirche.de). Der Ton ist locker, die Kleidung auch: Den Talar lässt Claudia Voigt-Grabenstein oft im Schrank. Kontakt will sie herstellen zu den Menschen am Bildschirm. Um sie zu erreichen, hat die Pfarrerin hart an sich gearbeitet. Anfangs sei alles noch recht steif gewesen, an das freie Sprechen vor der Kamera musste sie sich erst gewöhnen. „Heute versuche ich, die Sätze kurz und griffig zu formulieren.“ Gerne greift die Pfarrerin auch Themenvorschläge aus der Gemeinde auf.

Ein Blick hinter die Kulissen

Jede Andacht nimmt außerdem irgendeinen Gegenstand aus der Lorenzkirche auf: einen Schluss-Stein in 24 Metern Höhe etwa, eine Schnitzerei im Chorgestühl oder einen alten Schlüssel. Mal sitzt die Pfarrerin auf ihrem Schreibtisch, mal auf einem Gerüst, mal läuft sie eine Wendeltreppe hoch, während sie spricht. „Es gefällt den Leuten, ein bisschen hinter die Kulissen zu sehen.“ Neulich hatte Claudia Voigt-Grabenstein Besuch von einem Mann aus Berlin: „Er wollte die sich die Sachen in echt anschauen, die in den Andachten besprochen werden.“

Mindestens zwei Kameras, Mikrofone und gute Beleuchtung braucht es, um die Zuschauerinnen und Zuschauer bei der Stange zu halten.

Bild: cvg

Der Innenraum der Lorenzkirche in Nürnberg

30.06.2021
Silke Scheder

Damit die Zuschauer am Bildschirm zuhause alles gut mitbekommen und bei der Stange bleiben, empfiehlt Kameramann Hans Batz drei Dinge: „Wenn möglich sollte man mit zwei oder sogar drei Kameras arbeiten, dann kann man langweilige Passagen umgehen.“ Um einen sauberen Ton zu bekommen, brauche es immer ein Ansteck- oder ein Richtmikrofon. „Und auch, wenn die Industrie vorgauckelt, dass die Kameras ohne Licht auskommen: Kameras benötigen zusätzliches Licht, sonst werden die Aufnahmen immer diffus“, betont der Profi.

Unsichere Zukunft

Rund 480 Abonnenten hat die Lorenzkirche bereits bei YouTube, darunter auch etliche Senioren bis zu 75 Jahren. „Viele sind inzwischen technisch sehr fit“, sagt Claudia Voigt-Grabenstein. Ihre eigene Mama zum Beispiel: „Sie ist 90 Jahre alt schaut sich die Videos auch an.“ Der Pfarrerin macht eher die jüngere Zielgruppe Sorgen: „Die unter 40-Jährigen erreichen wir nicht. Dafür ist das, was wir machen, noch zu konventionell“, sagt sie selbstkritisch. Ein neues Format soll her. Noch aber weiß Claudia Voigt-Grabenstein nicht einmal, wie es mit dem etablierten Format der Online-Andachten weitergeht. Personell und finanziell bekomme die Gemeinde keine Unterstützung dafür. Dabei biete die Digitalisierung eine große Chance: „Wir können die Kirche selbst sprechen lassen und zeigen: Wir leben darin.“ Auf YouTube bittet Claudia Voigt-Grabenstein um Spenden zur Finanzierung der Online-Andachten. In dem Video heißt es: „Irgendwie geht es weiter, so Gott will.“

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